Braucht es eine echte Monochrom von Fujifilm?

Als Ricoh im Oktober 2025 die RICOH GR IV Monochrome vorstellte, sorgte die Ankündigung für Bewegung in der Fotoszene. In Foren und Fachportalen zeigte sich schnell: Die Kamera trifft einen Nerv. Sie steht für den Wunsch nach Reduktion und für die Rückkehr zur puristischen Schwarzweißfotografie.

Gleichzeitig entstand eine Debatte: Sollte Fujifilm eine eigene Monochrom-Kamera entwickeln? Manche sehen den Hersteller mit seiner Tradition in Filmsimulationen und Bildcharakteristik als idealen Kandidaten.

Berlin am Bahnhof

(FUJIFILM X100VI mit Built-In Lens @23.0mm @23.0mm, 1/50s, f/5.6 und ISO125)

Verwechseln wir Monochrom mit Reduktion?

Der Ruf nach einer monochromen Fujifilm wirkt weniger wie ein echtes Bedürfnis nach einem speziellen Sensor, sonder wie eine die Sehnsucht nach Reduktion. Monochrom mit der Reduktion von Farbe auf Schwarz/Weiß steht für Konzentration, Fokus, Entschleunigung. Doch oft wird dabei verwechselt, was diese Reduktion eigentlich erzeugt: nicht der Sensor, sondern die Entscheidung selbst. Wer seine X100 konsequent auf ACROS stellt, erlebt denselben kreativen Minimalismus – ganz ohne technische Selbstfesselung. Die Reduktion entsteht durch das Denken im Kopf und nicht durch den Sensor.

Warum Monochrom fasziniert

Monochrom-Kameras haben einen besonderen Reiz. Sie verzichten auf das Farbfilter-Array (CFA) vor dem Sensor – und genau das bringt einige technische Vorteile:

  • etwas höhere Schärfe, weil kein Demosaicing nötig ist
  • etwas weniger Rauschen, besonders bei hohen ISO
  • ein sehr feines, organisches Rauschverhalten
  • ein puristisches Arbeiten, das viele als kreativitätsfördernd empfinden

Das klingt verlockend. Und ja: Wer einmal eine Leica M Monochrom oder Pentax K 3 III Monochrome genutzt hat, weiß, dass diese Kameras einen ganz eigenen Charakter haben.
Aber: Diese Vorteile sind kleiner geworden. Moderne Farbsensoren sind extrem gut geworden, die KI Entrauschung ist sehr leistungsfähig, und 40 Megapixel liefert mehr als genug Detailreserven.

Was die X100 heute schon kann

Die aktuelle X100 (egal ob V oder VI) bringt etwas mit, das viele Monochrom-Fans unterschätzen:

ACROS – eine der besten digitalen Schwarzweiß-Engines überhaupt

Fuji hat ACROS nicht zufällig entwickelt. Die Simulation basiert auf echten Filmemulsionen, nutzt Rauschmodelle, Körnung und Tonkurven, die extrem nah an analoges Material herankommen.
Mit Farbfiltern (Gelb, Rot, Grün) lässt sich ACROS sogar sehr gezielt steuern – genau wie früher an der analogen Kamera.

EVF-Vorschau in echtem Schwarzweiß

Ein Vorteil, den die Leica Monochrom und die Pentax DSLR nicht haben ist, dass man das Bild vor der Aufnahme in Schwarzweiß sieht. Das verändert die Wahrnehmung und hilft bei der Bildgestaltung.

Monochrom-Kameras bringen die Limitierungen gleich mit

Und das genau ist ihr Konzept, sie machen keine Farbfotos, haben keine Farbkanäle und simulieren auch keine Farbfilter. Letzendlich ist auch ein Wechsel auf Farbe nicht (mehr) möglich.

Eine Monochrom-Kamera ist also nicht die bessere Schwarzweißkamera. Sie ist die puristischere.

Für wen lohnt eine echte Monochrom-Kamera?

Eine echte Monochrom‑Kamera entfaltet ihren Sinn vor allem dann, wenn man die bewusste Einschränkung sucht, überwiegend oder sogar ausschließlich in Schwarzweiß arbeitet und den charakteristischen Look direkt aus der Kamera schätzt. Wer den emotionalen Reiz eines spezialisierten Werkzeugs genießt und bereit ist, dafür eine zusätzliche Kamera mitzunehmen, findet in einem Monochrom‑Modell eine faszinierende Ergänzung. Für alle anderen bleibt eine moderne Fuji X100 die vielseitigere, flexiblere und wirtschaftlich sinnvollere Lösung – sie bietet hervorragende Schwarzweiß‑Ergebnisse, ohne die Freiheit der Farbfotografie aufzugeben.

Fazit

Für mich ist es sinnvoller die X100 als „Monochrom“ zu nutzen:

  • Die technischen Vorteile echter Monochrom-Sensoren sind real, aber klein geworden
  • Die Einschränkungen sind vorhanden und lassen sich nicht aufhaben eine Monochrom-Kamera ist eine Monochrom-Kamera
  • Die X100 liefert mit ACROS und RAW-Konvertierung Ergebnisse, die für 95 % aller Anwendungen absolut ausreichen
  • Dazu kommt der Komfort, jederzeit zwischen Farbe und Schwarzweiß wechseln zu können.

Für die meisten Fotografen ist die X100 die bessere Monochrom-Kamera – weil sie beides kann.
Und wer sich nach puristischer Askese sehnt, kann immer noch eine echte Monochrom-Kamera ergänzen.

Eine X100 ist heute die sinnvollste, flexibelste und wirtschaftlichste Art, Fuji Monochrom zu fotografieren – ohne auf Farbe verzichten zu müssen.

Bleibt mir gewogen und bis bald, Euer Albfotograf

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