Es gibt Momente, in denen man spürt, dass man sich von etwas entfernt hat, lange bevor man tatsächlich geht. Bei mir war das Instagram. Die Plattform, die mich jahrelang begleitet hat — als Schaufenster, als Inspirationsquelle, als Treffpunkt. Und irgendwann auch als Ort, an dem ich mich zunehmend fehl am Platz fühlte.
Nicht, weil die Fotografie dort verschwunden wäre. Bilder gibt es nach wie vor, sogar viele gute. Aber die Art, wie sie präsentiert, bewertet und ausgespielt werden, hat sich verändert. Instagram ist längst kein Ort mehr, an dem man einfach fotografiert, teilt und sich austauscht. Es ist ein Marktplatz geworden, ein Dauerfeuer aus Reels, Trends und Algorithmen, die bestimmen, was sichtbar ist und was nicht. Und ich habe irgendwann gemerkt: Ich möchte nicht der Contentlieferant für eine Plattform sein, die meine Arbeit nur dann zeigt, wenn sie in ihr Konzept passt.

(FUJIFILM X-T5 mit X 17-70mm F/2.8 DiIII-A VC RXD B070X @70.0mm, 1/50s, f/2.8 und ISO1600)
Also habe ich aufgehört, dort regelmäßig zu posten. Nicht aus Trotz, sondern aus Selbstschutz. Ich wollte wieder fotografieren, weil ich fotografieren will — nicht, weil ich den Algorithmus füttern muss.
Die Alternativen sind da – und doch irgendwie nicht
Es gibt sie inzwischen, die Alternativen. Mastodon, Vero, Glass, Pixelfed, BlueSky. Jede Plattform hat ihre Stärken, manche sogar richtig gute Ideen. Und trotzdem bleibt ein Problem: Sie ersetzen Instagram nicht. Nicht für mich, nicht für viele andere.
Denn Instagram ist mehr als eine Galerie. Es ist ein gigantisches Archiv. Wenn ich eine Fotoexkursion plane, schaue ich dort nach. Wenn ich einen Workshop vorbereite, suche ich dort nach Spots, Stimmungen, Orten. Und wenn ich unterwegs bin und andere Fotografen treffe, dann läuft der Austausch fast automatisch über Instagram. Jeder hat einen Account. Kaum jemand ist auf Mastodon. Und selbst wenn: Die Community ist dort kleiner, fragmentierter, weniger sichtbar.
Das ist der paradoxe Zustand, in dem ich mich befinde: Ich möchte Instagram nicht mehr aktiv bedienen, aber ich komme nicht davon los. Nicht, weil ich es liebe — sondern weil es funktional ist.
Recherche statt Reichweite
Ich nutze Instagram heute anders. Nicht mehr als Bühne, sondern als Werkzeug. Ich scrolle nicht mehr durch den Feed, ich suche gezielt. Ich schaue mir Orte an, Hashtags, Geotags, Accounts von Fotografen, die in Regionen unterwegs sind, die mich interessieren. Instagram ist für mich inzwischen eher eine Art visuelles Google geworden.
Und das funktioniert erstaunlich gut. Vielleicht sogar besser als früher, weil ich mich nicht mehr mit dem Gefühl herumschlage, ständig etwas liefern zu müssen.
Der soziale Faktor
Was bleibt, ist der Austausch. Und der ist auf Instagram nach wie vor am einfachsten. Wenn man sich irgendwo trifft, wenn man gemeinsam fotografiert, wenn man sich vernetzt — Instagram ist die gemeinsame Sprache. Die Plattform, auf die sich alle einigen können, selbst wenn sie sie nicht mögen.
Und genau das macht es so schwer, wirklich zu gehen.
… but you will never leave
Ich habe Instagram verlassen — aber nicht wirklich. Ich poste kaum noch, aber ich schaue noch rein. Ich nutze es nicht mehr als Bühne, aber als Werkzeug. Ich bin nicht mehr Teil des Spiels, aber ich stehe noch am Rand des Spielfelds und beobachte.
Vielleicht ist das der Kompromiss, den viele von uns am Ende eingehen. Wir müssen nicht alles mitmachen. Wir müssen nicht tanzen, nur weil die Plattform Musik spielt. Aber wir können trotzdem dort sein, wenn wir es brauchen.
Und vielleicht ist das gar kein schlechter Zustand. Vielleicht ist es sogar der ehrlichste. Was denkt ihr und wie sieht euer Verhältnis zu Instagram aus.
Bleibt mir gewogen, euer Albfotograf