Exposing the Shadows

Schön das ihr wieder zu meinem Blog gefunden habt.

Die Frage

Da ich von Zeit zu Zeit an Workshops teilnehme und auch Workshops halte, möchte ich mich, einer dort immer wieder auftretenden Frage widmen.

Wie belichte ich eigentlich richtig?

Diese Frage kann aus meiner Sicht nicht vollständig beantwortet werden, aber es gibt eine Reihe von Indikatoren welche auf die Belichtung eines Bildes und damit auf dessen Komposition Einfluss haben. Gleich vorne weg, ein Artikel von einem amerikanischen Fotografen, welcher dieses Thema ebenfalls aufgreift:

http://davidduchemin.com/2016/08/exposing-for-highlights/

Das Problem

Ich starte hier mit einem Bild … bei dem gleich mal etwas schiefgegangen ist.

_DSF7228_copy_v3_cloud

(FUJIFILM X-T10 mit FUJIFILM XF18-135mmF3.5-5.6R LM OIS WR @19.0mm, 1/320s, f/10.0 und ISO200)

Gefällt Euch das Bild (lassen wir mal das Thema Bäume außeracht)? Vielleicht ja, das Problem hier ist, dass die Sonne auf der rechten Seite in den Wolken ausgefressen wirkt. Dazu hat das Auge die Eigenschaft, sich an den hellen Bereichen in einem Bild zu orientieren. Sprich, unser Blick wandert vom Baum der das Hauptmotiv ist, zum hellen und ausgefressenen Sonnenfleck auf der rechten Seite.

Betrachten wir das Histogramm für dieses Bild, dann sehen wir im rechten Bereich eine massive Häufung der Helligkeit.

image

Der grüne Bereich markiert die Problemzone im Bild und lässt sich nicht vollständig korrigieren. Helle (zu helle) Bereiche (die Lichter) in einem Bild bezeichnet man oft als ausgefressen, dunkle (schwarze Bereiche, die Schatten) als abgesoffen. In RAW Dateien (egal von welchem Hersteller) sind allerdings in den dunklen Bereichen mehr Bildinformationen versteckt, als in den hellen Bereichen. Sprich, zu dunkle Bilder lassen sich in den meisten Fällen entwickeln und damit retten. Man kann die dunklen Bereiche sogar als Mittel zur Gestaltung verwenden. Zu helle Bereiche dagegen sind kaum mehr zu korrigieren. Darüber hinaus, und wir denken nun wieder an das menschliche Auge, wandert dieses in die hellen Bereiche und nicht in die dunklen.

Das folgende Bild stellt den Versuch dar, zu retten was noch zu retten ist. Geht so, aber der Brüller ist das nicht.

_DSF7228_copy_v1_cloud

(FUJIFILM X-T10 mit FUJIFILM XF18-135mmF3.5-5.6R LM OIS WR @19.0mm, 1/320s, f/10.0 und ISO200)

image

Wie aus dem Bild und dem Histogramm zu sehen ist, konnten relativ viele Lichter gerettet werden – vollständig ist das aber nicht gelungen. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten um mit diesen Situationen um zu gehen.

Möglichkeiten

Bilder wie dieses haben das Problem, dass zum einen ein gestaltendes Element (die Sonne) sehr hell ist und zum anderen unser eigentliches Motiv (der Baum) im Schatten liegt.

Verlaufsfilter

Verlaufsfilter dunkeln Bereiche eines Bildes ab und ermöglichen damit die Aufnahme von Bildern welche den Dynamikumfang der Kamera überschreiten. Diese Filter gibt es zum Schrauben und oftmals mit einer Drehfassung, analog zum Polfilter damit der dunkle Bereich entsprechend positioniert werden kann. Alternativ und deutlich geschickter sind Verlaufsfilter welche in einen Filterhalter gesteckt werden. Damit kann der Verlauf genauer positioniert werden. Im Gegensatz zu einem Schraubfilter ist hier eine, sagen wir mal freiere Komposition des Bildes möglich. Egal welchen Ansatz wir hier verfolgen, er benötigt Zeit und setzt sorgfältiges Arbeiten voraus. Neben der Tatsache, dass man den Filter auch dabei haben muss (oft höre ich “den habe ich auch, zuhause …”) ist die Kombination mit einem Stativ hier mehr als sinnvoll.

Aufhellung

Eine weitere Möglichkeit stellt die Aufhellung der dunklen Bereiche durch Lichtformer, Reflektoren oder Blitzgeräte dar. Was hier in diesem Fall schon ein wenig schwierig werden würde, da der Baum nicht gerade klein ist. Zumal wieder ein entsprechender Aufwand dafür notwendig ist. Nur mal so am Rande, die Sonne geht innerhalb von ein paar Minuten unter und wir wollen nicht nur ein Bild machen.

Belichtung

Wir Belichten das Bild, sagen wir mal anders als es uns verschiedene Messungen bzw. Kamera-Automatiken vorgeben. Konkret achten wir darauf, dass der helle Bereich im Bild nicht zu hell wird. Die Belichtung orientiert sich damit am hellsten Bereich.

Zuerst einmal ein Bild in dem versucht wurde, die Wiese und die Zeichnung im Baum halbwegs zu erhalten, was natürlich zu ausgefressenen Lichtern in Bereich der Sonne geführt hat.

_DSF5056_v1_cloud

(FUJIFILM X-T1 mit FUJIFILM XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS @18.8mm, 1/50s, f/22.0 und ISO800)

image

Das Histogramm zeigt auch deutlich den überbelichteten Bereich (rechts, grün markiert – der Ausschlag ist zwar schmal geht aber bis ganz nach oben).

Wenn wir nun das gleiche Motiv deutlich anders belichten, erhalten wir folgendes Ergebnis.

_DSF5053_v1_cloud

(FUJIFILM X-T1 mit FUJIFILM XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS @18.8mm, 1/125s, f/22.0 und ISO400)

Zwischen beiden Bildern liegen in Summe 3,5 Blendenstufen (2,5 durch die geänderte Verschlusszeit 1/125s vs. 1/50s und 1 weitere Blendenstufe durch den ISO Wert, welche ich beim ersten Bild geändert hatte, um das Bild nicht zu verwackeln).

Für die Automatiker unter uns, hier muss die Belichtungskorrektur zum Einsatz kommen – wählen würde ich hier -2,5 oder -3 (meist gehen die Kameras gar nicht über die 3 hinaus).

Dazu noch das Histogramm mit den Einstellungen für die Belichtung.

image

An der Belichtung habe ich folgende Dinge geändert.

  • Erhöhen der Helligkeit (Illumination) des Bildes um 20%.
  • Reduktion der Spitzlichter (Highlights) auf –1
  • Erhöhung der Schatten (Schadows) um 75%
  • Erhöhung der Schwarz-Werte (Black) um 50%
  • Erhöhung des Mikrokontrasts (Detail) um 10%

So, ab jetzt kann dann das Bild noch weiter bearbeitet werden … als Freund des 16×9 Formats, schneide ich hier gerne das Bild zu und intensiviere die Farben noch ein wenig.

_DSF5053_copy_v1_cloud

(FUJIFILM X-T1 mit FUJIFILM XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS @18.8mm, 1/125s, f/22.0 und ISO400), und hier das Bild in HD

Zum Abschluss …

… hier noch zwei weitere Bilder von diesem Abend. War schön in Bronnweiler.

_DSF5042_v1_cloud

(FUJIFILM X-T1 mit FUJIFILM XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS @18.0mm, 1/1250s, f/7.1 und ISO400), und hier das Bild in HD

_DSF7239_v1_cloud

(FUJIFILM X-T10 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @14.5mm, 1/160s, f/22.0 und ISO200), und hier das Bild in HD

An dieser Stelle möchte ich mich fürs Vorbeischauen bedanken und wünsche …

viel Spaß beim Anschauen, b!

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