Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch

Prolog

Manchmal kann ich mich nicht so richtig entscheiden, wohin ich zum Fotografieren gehen soll. An einem der letzten Samstage war das so, nur Wolken, partieller Nieselregen, ….

In diesem Fall gehe ich gerne Tiere fotografieren, da hier gutes Licht zwar hilfreich ist – aber keine so essentielle Rolle wie in der Landschaftsfotografie spielt. Für mich ist das dann eher eine Gelegenheit zum Üben. Neben dem Wildpark in Pforzheim, dem Falkner auf dem Hohenneuffen liegt die Eninger Weide bei mir direkt ums Eck (wie der Schwabe zu sagen pflegt) und dort bin ich dann auch hin gefahren. Interessanter Weise war einiges los, viel mehr als ich erwartet hatte. Den Hirschen ging es wohl genauso, denn diese hatten sich ziemlich weit ins Innere des Geheges zurückgezogen. An den manchmal vorhandenen Abstand von gerade mal 25m war hier nicht zu denken. Heute gibt’s Hirsch aus der Ferne, dachte ich mir …

Kurz darauf erschien eine Familie neben mir, Papa mit einem 5-Jährigen, Mama mit weiterem Nachwuchs im Kinderwagen. Die Familie und besonders der 5-Jährige schauten mit Begeisterung in das Gehege hinein wo neben dem mir, von den Vorjahren bekannten Hirsch, nun auch ein junger Hirschbock in einiger Entfernung am Waldrand zu sehen war. Darüber hinaus waren noch einige Hirschkühe und auch -Kälber zu sehen. Interessant wurde die Sache als der 5-Jährige fragte, wieso einige der Tiere ein Geweih hätten und andere nicht. Die Antwort des Vaters kam prompt:

“Die Tiere mit den Hörnern (und ich dachte immer es wären Kühe, die mit den Hörnern … ) das sind die Hirschmänner, und die ohne sind Rehe – die Frauen vom Hirsch.”

Einmal in der Fortbildung seines Sprösslings gefangen, wollte der Papa mit seinen Ausführungen gar nicht mehr aufhören …den

“ … und das kleine Reh, da ist ein Bambi!”.

An diesem Punkt habe ich mir dann erlaubt darauf hin zu weisen, dass es sich hier ausschließlich um Hirsche handelt. Also das ein Reh nicht die Frau vom Hirschen ist, sondern die Hirschkuh. Das Bambi hingegen, war gar nicht so falsch, da es sich in der Tat um kein Reh, sondern einen Weißwedelhirsch handelte. Auf der Eninger Weide leben aber nur Rothirsche, genau genommen also auch daneben – die Sache mit dem Bambi.

Macht aber nichts, die Familie ging und mit ihr auch die anderen Besucher … gegen halb sechs am Abend war es dann ruhig, bei den “Rehen” und Hirschen mit ihren Bambis.

Mein Test

Damit war der Zeitpunkt gekommen wieder eine Testreihe durch zu ziehen. Dieses mal hatte ich die Fuji X-T2  mit dem Fujinon XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR und dem Fujinon XF1.4X TC WR Telekonverter zur Verfügung. Interessant, da damit immerhin stattliche 840mm zusammen kommen.

400mm x Konverter x Crop-Faktor = 840mm

Bei solchen Rechnungen muss man aber auch einen Blick auf die Blende und damit vorhandene Lichtstärke werfen. Bei 400mm hat das Objektiv eine maximale Blendenöffnung von f5,6 – welche durch die Verwendung des Konverters am Ende f8 ergibt.

f5,6 x Konverter = f8

Nun gut, 840mm mit Blende 8 damit kann man leben … zumal die Kombination qualitativ extrem gut zusammen arbeitet.

Der Vollständigkeit halber sollten wir uns auch ein paar Gedanken über die Äquivalenz machen, dazu lassen wir aber den Telekonverter außen vor. Damit haben wir 400mm/5.6 an der Fuji, was 600mm/8 an einer Nikon Vollformat entspricht.

Hier mal die Fuji mit ihrem APS-C Sensor:

image

Äquivalent zur Nikon mit einem Vollformat-Sensor:

image

Nehmen wir in beiden Tabellen die Zeile mit 30m und als Basis die Blende 5.6 bei Fuji so erhalten wir einen Bereich von 29,4 bis 30,6m. Übertragen wird das in die Tabelle mit dem Vollformat Angaben für die Nikon, wir wählen dazu wieder die Zeile mit den 30m aus, und erhalten nun den gleichen Bereich von 29,4 bis 30,6m bei Blende 8.

Berücksichtigen wir dazu den Telekonverter mit Faktor 1,4 dann wird klar, wieso manche Fotografen hier von einem Dunkelzoom reden. Macht aber nichts, am Ende kommt es auf die Bilder an und davon habe ich ja auch ein paar (trotz nicht optimaler Bedingungen) gemacht. Das folgende Bild entstand noch ohne den Konverter.

_DSF1849_v2

(FUJIFILM X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR @400.0mm, 1/640s, f/5.6 und ISO800), und hier das Bild in HD

Danach habe ich meinen Standort gewechselt und den Konverter zum Einsatz gebracht und musste alle Register ziehen um das Bild in den Kasten zu bekommen. Zum einen sind ISO3200 zumindest bei der Fuji nicht mehr ein rauscharmer Bereich und zum anderen habe ich ein Einbein-Stativ verwendet, um bei 560mm mit 1/250s arbeiten zu können. Ja, das Fujinon hat einen Klasse OS … aber mit dem Stativ war ich hier auf Nummer sicher.

_DSF1905_v2

(FUJIFILM X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR + 1.4x @560.0mm, 1/250s, f/8.0 und ISO3200), und hier das Bild in HD

Natürlich darf das Bambi (sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen), also der Nachwuchs nicht fehlen.

_DSF1887_v2

(FUJIFILM X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR + 1.4x @560.0mm, 1/250s, f/8.0 und ISO3200), und hier das Bild in HD

Sowie zum Schluss, der Papa Smile 

_DSF1934_v1

(FUJIFILM X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mm F4.5-5.6 R LM OIS WR + 1.4x @265.6mm, 1/200s, f/6.7 und ISO3200), und hier das Bild in HD

Wir beide kennen uns ein wenig, der Hirsch und ich …

Fazit

Das XF 100-400 ist ein klasse Objektiv, mit einem super schnellen AF (was hier nicht so wichtig war). Mit dem 1,4x Konverter dringt man nochmals in Brennweiten vor, welche bis dato mit dem Fuji-System nicht möglich waren. Nicht vergessen dabei, darf man den Fakt, dass bei 400mm die größte Öffnung der Blende 5,6 beträgt und durch den Konverter am Ende eine f8 heraus kommt, was der Preis dafür ist den man bezahlen muss.

Bis sich Fuji entschließt mein Traumobjektiv (200/2) zu bauen, werde ich wohl mit dem XF 100-400mm glücklich werden. Denn das Beste Objektiv ist das welches Du hast – oder im Falle des XF 200 F2, welches überhaupt gebaut wird.

Epilog

Gesetzen Falls, dass irgendwann einmal ein XF 200F2 das Licht der Welt erblicken würde, wären folgende Kombinationen durch Konverter erreichbar:

Fuji (APS-C) Konverter Äquivalent (FX)
200mm / f2 ohne Konverter 300mm / f3
280mm / f2,8 mit TC 1,4 420mm / f4,2
400mm / f4 mit TC 2,0 600mm / f6

Klar dabei muss sein, dass ein XF 200 F2 groß und schwer wird. Die Frontlinse hat hier locker 100mm Durchmesser, läuft dann auf einen 105mm UV Filter hinaus … und ein passender Polfilter wird teuer, sehr teuer Smile

Viel Spaß beim Anschauen, b!

Eine Antwort zu “Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch

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