… oder wie ART (Another RawTherapee) unter Linux heimlich zu meinem Standard für Fuji-RAWs wurde.
Wir Schwaben haben ja für fast alles den passenden Spruch – besonders, wenn man eine Entscheidung einfach dem Schicksal oder Zufall zuschreiben möchte. Daher der Titel »Aus Versehen hängen geblieben«. Ich hätte natürlich auch »s’ isch halt so noa worda …« schreiben können, aber ganz so tief wollte ich euch dann doch nicht in den Dialekt entführen 😉
Rückblick: Digitale Souveränität im Foto-Alltag
Vor einem Jahr habe ich hier im Blog Gedanken zur digitalen Souveränität für Fotografen aufgeschrieben. Mir ging es darum, Abhängigkeiten von proprietären Ökosystemen zu hinterfragen und zu schauen, wie weit man mit freien Werkzeugen im Alltag kommt.
Wichtig ist mir dabei eine Differenzierung: Programme wie ON1 Photo RAW oder DxO PhotoLab habe ich nie in den gleichen Topf mit den Abo-Modellen von Adobe gestellt. Bei DxO oder ON1 gibt es keinen Abo-Zwang, man kann klassisch im Dateisystem arbeiten und DxO stammt zudem aus Europa. Ein Verlust der eigenen Datenkontrolle droht hier keineswegs. Trotzdem wollte ich wissen, ob Open Source-Lösungen meinen Workflow genauso gut tragen kann.
(FUJIFILM X-T5 with 11-20mm F/2.8 DiIII-A RXD B060X @14.3, 1/125s, f/8.0 and ISO125)
Der Wechsel zu ART
Wer sich mit freier Software für die RAW-Entwicklung beschäftigt, stößt schnell auf RawTherapee. Bei mir nahm die Reise allerdings eine Wendung: Ich wollte mir ART (Another RawTherapee) eigentlich nur ansehen und bin daran hängen geblieben.
ART basiert auf dem Fundament von RawTherapee, schlankt die Bedienung an einigen Stellen sinnvoll ab und bietet Werkzeuge, die zu meiner Arbeitsweise passen. Einmal eingearbeitet, gab es keinen Grund mehr, wieder zurückzuwechseln.
(FUJIFILM X-T5 with 17-70mm F/2.8 DiIII-A VC RXD B070X @17.0, 1/125s, f/8.0 and ISO125)
Erfahrungen mit Fuji-RAWs und Retusche
Aktuell entwickle ich meine Bilder vollständig mit ART.
- RAW-Interpretation: Die Aufbereitung der
.RAF-Dateien überzeugt mich durchweg. Details, Schärfe und Farbtonwerte wirken natürlich und lassen sich sauber steuern. - Retusche: Meine Anforderungen an die Fleckentfernung oder kleinere Korrekturen sind überschaubar. Was ich benötige, deckt ART ab. Wenn ein störendes Element in ART einmal schwer zu entfernen war, zeigte die Gegenkontrolle in ON1 meist, dass es dort genauso aufwendig gewesen wäre. Das war für mich eine gute Bestätigung, dass mir in der Praxis nichts fehlt.

Das Arbeiten im Dateisystem und die Sache mit den virtuellen Kopien
Ein Grund, warum ich darktable bisher nicht nutze, ist die Notwendigkeit zum Import der RAWs in eine Datenbank. ART arbeitet stattdessen direkt auf der vorhandenen Ordnerstruktur des Dateisystems. Ordner öffnen, Bild anwählen, entwickeln und fertig. Zumal ich ja digikam für die Verwaltung meiner Bilder vorgesehen habe.
Eine Funktion vermisse ich in ART allerdings gelegentlich: virtuelle Kopien, um unterschiedliche Entwicklungsversionen eines Bildes nebeneinander zu vergleichen.
Da ART alle Einstellungen in kleinen .arp-Sidecar-Dateien ablegt, behelfe ich mir pragmatisch im Dateisystem: Ich erstelle bei Bedarf einfach eine Kopie der RAW-Datei mit dem Zusatz _v2 oder _a. Das verbraucht zwar Speicherplatz, ist aber absolut unkompliziert und übersteht auch jedes Verschieben zwischen Laptop, externer SSD und NAS ohne Probleme.
Fazit
Die Einarbeitung in ART hat sich gelohnt. Besonders positiv fällt mir auf, wie flüssig die Software selbst auf älterer Hardware läuft – etwa auf meinem Microsoft Surface Laptop 3 unter Linux.
Ob ART nun die endgültige Lösung für alle Zeiten ist, spielt keine Rolle. Aktuell passt das Programm sehr gut zu meinen Anforderungen, und wir werden auf jeden Fall ein gutes Stück meiner fotografischen Reise gemeinsam gehen.
Bleibt mir gewogen und bis bald, Euer Albfotograf