From time to time, be here

Wer einmal auf einer Fotorexkursion oder bei einem Landschaftsfotografie-Wworkshop war, kennt vielleicht das Gefühl, wenn der Guide vor Ort leise gesteht: „Ich bin hier eigentlich auch zum ersten Mal und so hatte ich mir das nicht vorgestellt.“

Man steht im wechselhaften schottischen Wetter, das Licht bricht für wenige Minuten durch die Wolken, und statt einer klaren Führung irrt die Gruppe auf der Suche nach einem brauchbaren Standpunkt umher. Bei mir sollte so etwas nicht passieren. Wenn ich Fotografen auf eine Fotoexkursion mitnehme, kenne ich die Spots. Denn irgendwas geht immer schief – und darum gilt: „Expect the unexpected.“

Genau deshalb steht vor jedem geplanten Foto-Workshop oder -Exkursion ein Scouting auf dem Programm. Diesmal ging es auf die Isle of Lewis and Harris, den äußeren Hebridenarchipel vor der Westküste Schottlands.

Beide Inseln sind rauh und wunderschön, zu meiner großen Freude gibt es dort auch eine Destillery und ich konnte neben vieler Eindrücke und Erinnerungen einen guten Malt Whisky mitnehmen. Dem Hearach [ˈhɛɾəx] war schwer zu wiederstehen, darum habe ich von ihm auch den Titel dieses Blogs geliehen.

Schon seit 2017 begleite ich regelmäßig Workshops. Begonnen hat das alles in den Bergen, wo gute Vorbereitung und Routenplanung essenziell sind. Sämtliche Workshops und Exkursionen werden im Rahmen der Sektion Reutlingen des Deutschen Alpenvereins organisiert und durchgeführt.

Nun aber genug der Einleitung – jetzt möchte ich euch drei Bilder der letzten Woche zeigen.


Die uralte Magie von Lewis: Calanish Stones

Das Scouting beginnt oft schon bei den klassischen Highlights, die auf keiner Tour fehlen dürfen, aber unter ganz bestimmten Lichtbedingungen erkundet werden müssen. Einer dieser Orte auf Lewis sind die Callanish Stones (oder Calanais).

Wenn die Abendsonne flach durch die jahrtausendealten Gneissegmente bricht und ein feines Sonnensternchen an den Kanten der Megalithen zaubert, spürt man die zeitlose Magie dieses Ortes. Doch abseits des Zaubers gilt es beim Scouting eine Reihe von Punkten zu prüfen: Wie stehen die Steine zueinander? Welche Brennweite erlaubt ein stimmiges Verdichten der Silhouette, ohne dass sich die Elemente gegenseitig überlagern? Wo geht die Sonne auf und unter …

Callanish Stones beim Sonnenaufgang (FUJIFILM X-T5 mit Tamron 17-70mm F/2.8 DiIII-A VC RXD @24mm, 1/40s, f/11.0 and ISO160)


Die raue Küste von Scalpay: Eilean Glas Lighthouse

Weiter geht es in Richtung Harris. Ein unverzichtbarer Stop auf der Scouting-Liste ist der Leuchtturm von Eilean Glas auf der kleinen Insel Scalpay, die über eine Brücke mit Harris verbunden ist.

Der Weg dorthin führt durch typisch schottisches Terrain: feuchte Heide, wechselnde Winde und Lichtstimmungen, schon die Wanderung dorthin ist ein Genuß. Wer hier eine Fotogruppe sicher an den Spot bringen möchte, muss wissen, wie viel Zeit der Zustieg beansprucht und wie das Licht am Morgen oder späten Nachmittag fällt.

Eilean Glas Lighthouse am frühen Morgen (FUJIFILM X-T5 mit Tamron 17-70mm F/2.8 DiIII-A VC RXD @17mm, 1/200s, f/8.0 and ISO125)


Die wilde Brandung an den Stränden von Harris

Harris ist berühmt für seine dramatischen Küstenverläufe und breiten Sandstrände. Wenn der Wind den Atlantik aufpeitscht und dunkle Regenfronten über das Meer ziehen, entfaltet die Insel ihre volle, rauhe Schönheit.

An den Stränden (wie hier an einem leicht zu übersehenden Teil des Bagh Steinigidh) geht es um das Zusammenspiel von Wasserbewegung, Strandlinie und Belichtungszeit. Eine Langzeitbelichtung lässt das schäumende Wasser wie feine Seide über den dunklen Sand und die Granitfelsen gleiten. Doch ohne genaue Kenntnis der Gezeiten kann das Wasser schneller steigen, als einem lieb ist. Auch solche Details gehören zwingend ins Scouting-Notizbuch.

Die Brandung an den Stränden von Harris (FUJIFILM X-T5 mit Tamron 17-70mm F/2.8 DiIII-A VC RXD @17mm, 2s, f/9.0 and ISO125)


Deireadh, wie man auf Gällisch sagen könnte

Ein gründliches Scouting kostet Zeit, Disziplin und manchmal nasse Füsse (wenn es nur bei diesen bleiben würde). Aber genau diese Vorbereitung macht den Unterschied zwischen einem zufälligen Schnappschuss-Ausflug und einer gelungenen, erlebnisreichen Fotoexkursion aus. Wenn man die Gegebenheiten vor Ort kennt, kann man sich während der Tour auf das Wichtige konzentrieren, was zählt: das Licht, die Bildgestaltung und die Unterstützung meiner Fotografen.

Slàinte Mhath und schön das ihr mit dabei wart, euer Albfotograf

Kommentar verfassen