At The Lakes / Lake District

Jedes Bild hat seine Geschichte und viele Bilder haben eine längere. Diese hier beginnt an einem Samstag im Herbst 2017 um halb sechs im Lake District, England. Jon mein Fotokollege und Fahrer startet seinen Seat, die Scheiben sind gefroren und die Kontrollleuchten gehen an und wieder aus, als das Auto läuft. Leider nicht alle die Anzeige, welche die Wartung der Bremsen anmahnt, bleibt an.

Ich sitze links als Beifahrer, wie das in England so üblich ist und in der linken Tür des Seats steckt „The Holly Bible“, was mich zwar nicht vollständig beruhigt aber zumindest daran erinnert Dinge, welche man nicht ändern kann mit Gelassenheit hinzunehmen.

Aus dem Radio dröhnt ein mir vertrauter aber nicht zuordenbarer Gitarrenriff und um an diesem Morgen die Konversation in Gang zu bringen frage ich Jon welche Band das den wäre und er antwortet „That’s a supergroup with Joe Bonamasse, Robert Plant, …“ weiter höre ich nicht zu, denn Jon fährt dem Tross von Fotografen hinterher nach Kelly Hall Tarn. Die schmale Straße und die Tatsache das die Mauern gefühlt das Auto streifen, erfüllen mich mit Anspannung. Aber eigentlich sollte es mir egal sein, zwischen mir und den Steinmauern steckt Jons Bibel, es wird also schon gutgehen.

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @12.0mm, 50s, f/10.0 und ISO200)

… der Morgen ist kalt, aber wir haben vieles von dem was sich Fotografen so wünschen. Wir, dass ist eine Gruppe von Fotografen – die Fujiholics – welche sich kommend aus halb Europa zusammengefunden hat, hier im Lake District ein paar Tage zu fotografieren.

Wie schon im letzten Winter sind Matt und Paul dabei, unterstützend mit ihrem Wissen und den „best Places to shoot“ … Das lässt mich auf die Fotografenwünsche zurückkommen. Licht, Nebel, Wasser, Wolken und Sonne zusammen über den Hügeln und Bergen der Lakes hier in England.

Nachdem die Fotos an diesem Morgen gemacht sind geht es weiter nach Amble Side, wo ich auf dem Rückweg zum Auto dieses Panorama aufgenommen habe, Jon hatte mich darauf hingewiesen … “try to look behind you …”

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Der Nachmittag führt uns dann nach Ulverton, Coniston Water um einen Steg zu fotografieren … Stege sollten sich für die nächsten Tage zu einem der Lieblingsmotive für unsere Gruppe zu entwickeln.

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @14.5mm, 20s, f/22.0 und ISO200)

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @18.0mm, 60s, f/14.0 und ISO200)

Die Zeit und damit die Tage vergehen wie im Flug, Suprise View, Derwentwater, Thornthwaite sind weitere Stationen an diesem Tag, der in Keswick [Kesick, the „w“ is silent, meint Jon] sein Ende nimmt.

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @19.0mm, 240s, f/14.0 und ISO200)

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @22.9mm, 60s, f/20.0 und ISO200)

OK, nicht ganz. Das eigentliche Ende, im positiven Sinne natürlich, findet sich abends im Pub bei einem Pint und einem Schnack über das Fotografieren, die Erlebnisse des Tages und das Leben allgemein. Gefühlt ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Fotografen, der Klick eines Auslösers.

Der letzte Tag führt uns nach Ullswater, an den Ullswater wie er von den Einheimischen hier genannt wird. Oft verglichen mit dem Vierwaldstädter-See in der Schweiz, sicherlich ein weiteres Highlight hier oben im Lake District. Für mich auf jeden Fall lohnend, auch wenn das Wetter nicht mehr ganz so optimal mitspielen will. Dennoch die Motive gehen einem nicht aus und ich kann auch an diesem Abend, dem letzten hier, zufrieden sein. Morgen geht es zurück nach Hause, allerdings steht mir hier noch ein spannender Trip bevor, was sich aber erst am anderen Morgen zeigen sollte.

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(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF10-24mmF4 R OIS @24.0mm, 1/25s, f/8.0 und ISO200)

Entstanden ist das Bild oben aus 6 Einzelnaufnahmen montiert als HDR in ON1 Photo RAW.

Überpünktlich stehe ich am Bahnsteig morgens um 6:30 Uhr am Bahnhof in Kendal, der Zug wird mich nach Manchester bringen wo mich dann das Flugzeug zurück nach München fliegt. Wie das manchmal am Morgen so ist, hat man nicht alle Parameter im Blick und so mache ich mir keine Gedanken, dass der Zug hoch in Richtung Burnside ausfällt wegen Gleisarbeiten. Ich will ja nach Süden, in die entgegengesetzte Richtung und der wird fahren – zumindest gibt es keine Ankündigung einer Verspätung oder eines Ausfalls. Genau um 06:54 Uhr, als der Zug dann eintreffen soll kommt die Durchsage, dass auch dieser Zug ausfallen wird. Bei einer eingleisigen Strecke hätte ich da auch gleich draufkommen können. Was tun, der Flieger in Manchester wartet nicht und so eine wirklich gute Auskunft wann denn der nächste Zug gehen wird ist auch nicht zu bekommen. Erst zögernd, dann aber sehr entschlossen begebe ich mich auf die Suche nach einem Taxi was aber hier nirgendwo zu finden ist. Ich bin hier wirklich am Ende der Welt, oder zumindest kurz davor. Nach ein wenig umherirren in Kendal, entschließe ich mich in einem Hotel die Dame am Empfang zu bitten mir doch eines zu rufen – Ziel Oxenholme, die nächste Bahnstation, an der ich ohnehin in den Zug aus Schottland kommend in Richtung Manchester umsteigen muss. Das Taxi kommt, nach 39min inzwischen bangen Wartens und der Fahrer (Ahmit, aus Sri Lanka stammend) meint, kein Problem – das haben wir in 10min erledigt und wirklich ich stehe am Bahnhof in Oxenholme, mit dem freundlichen Tipp von Ahmit doch erst einmal zu schauen, ob der Zug auch fährt … sonst könnte er mich auch noch ein Stück weiterbringen. Klar, die britische Bahn ist nicht die deutsche oder vielleicht doch, denn hier ist der Zug auch gleich ausgefallen und ich sitze damit wieder in Ahmits Taxi. Grmpf, um die Sache ab zu kürzen, wir befinden uns nach der nächsten Bahnstation inzwischen auf dem Weg in Richtung Manchester … der Flieger wartet nicht, und ich will nach Hause.

Zu allem Unglück mein Ahmit (von dem ich nach 2h die gesamte Familiengeschichte kenne) das in der Früh der Verkehr um Manchester horrible wäre, er mir einen Fixpreis anbietet aber nicht garantieren kann ob das wirklich funktioniert, mit dem Flieger nach München. Zum Glück hat es geklappt, da der Flieger erst von München nach Manchester fliegen musste und dort wegen Vereisung gleich 1,5 Stunden zu spät weggekommen ist. Mit Verspätung, aber um einige Geschichten aus dem Leben eines Taxidrivers reicher, bin ich nun auf dem Heimweg zuerst nach München und dann mit dem PKW zurück auf die Alb, an deren Rande ich zuhause bin.

Vielen Dank fürs mitreisen und bis bald mal wieder

b!

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