Fuji RAW Entwicklung mit ON1 Photo RAW 2018

Kürzlich kamen (zumindest für mich als Fuji-Fotograf) zwei sehr interessante RAW Konverter auf den Markt, oder haben ein Update erfahren.

Zum einen gibt es das Fujifilm X RAW Studio seit Anfang März nun auch für Windows und ebenfalls seit Anfang März steht das Update 2018.1 für ON1 Photo RAW 2018 bereit. Beide Konverter will ich in diesem Beitrag nicht betrachten, werde mich aber dem Fuji X RAW Studio in einem anderen Blog widmen. Hier geht es also erst einmal um ON1 Photo RAW 2018.1.

Ich verwende seit dem letzten Sommer ON1 Photo RAW und bin von der Software sehr angetan. Neben einem, nach meinem Dafürhalten sehr gutem Umgang mit den Fuji RAW Files, gibt es eine Vielzahl von Funktionen welche den zusätzlichen Einsatz von Bildbearbeitungssoftware wie Affinity Photo oder Adobe Photoshop in weiten Teilen überflüssig machen.

Als Beispiel habe ich ein kürzlich aufgenommenes Bild gewählt, welches eine nicht optimale Aufnahmesituationen wiedergibt. Bedingt durch den Regen habe ich mit einem höheren ISO-Wert und durch die Distanz mit langer Brennweite arbeiten müssen. Beides Faktoren, welche die Bildqualität oft negativ beeinflussen können.

Entwicklung

Das Bild wurde mit ISO 1600, 1/1000s Verschlusszeit und Blende f/5.6 aufgenommen. Blende f/5.6 ist beim Fujinon XF100-400mm/F4.5-5.6 R LM OIS WR die Offenblende, wenn die maximale Brennweite von 400mm ausgenutzt wird.  Natürlich lässt sich die Abbildungsqualität durch abblenden nochmals steigern, was wir dann aber wieder mit längeren Verschlusszeiten oder höheren ISO Werte verbunden ist.

Für die Entwicklung der RAWs verwende ich immer den gleichen Ablauf.

  • Laden der RAW-Datei mit dem Develop-Module
  • Zuschnitt des Bildes (CROP) und Ausrichtung (Transform)
  • Tonwertkorrektur durch Anpassung des Weiß- und Schwarzpunkts (Blacks– und Whites)
  • Anpassung des Kontrastes (Contrast)
  • Bearbeitung der Schatten (Schadows)
  • Erhöhung des Micro-Kontrastes (Structure)
  • Reduktion von Dunst (Haze)
  • Farbtemperatur und Sättigung (Temperatur / Saturation und Vibrance)
  • Entrauschen (Detail)

Die ersten vier Schritte erfolgen fast immer in der gleichen Reihenfolge, vor allem versuche ich durch den Beschnitt möglichst schnell einen Eindruck von der Komposition des Bildes zu bekommen.

Die anderen Einstellungen arbeite ich dann in ON1 Photo RAW von oben nach unten ab, was aber nicht heißt, dass ich den einen oder anderen Bearbeitungsschritt nicht wiederhole oder im Nachhinein nochmals ändere.

Zuschnitt

Der Zuschnitt und das Ausrichten des Bildes erfolgen mit dem CROP-Tool, welches links oben zu sehen ist.

image

Das Bild hat in diesem Schritt eine leichte Drehung nach links (Level = -1°) und einen Beschnitt im Seitenverhältnis 3:2 (Originalgröße) erhalten. Mit Apply können die Änderungen übernommen werden. Im Gegensatz zu RawTherapee, fallen nach dem Beschnitt alle Teile außerhalb weg. Das finde ich sehr gut, da zum einen die Arbeitsfläche auf dem Monitor optimal genutzt wird und die Bereiche, welche man nicht haben möchte, sich nicht störend auswirken. Darüber hinaus erfolgt die Anwendung von Automatiken nur auf den sichtbaren, also zugeschnittenen Bereich.

Tonwert und Kontrast

Ein Blick auf das Histogramm des Bildes (oben) zeigt, dass knapp belichtet wurde. Hier entscheide ich mich, bevor ich am Kontrast arbeite die Belichtung um eine Blende nach oben (Exposure = 1) zu korrigieren. Es ist zwar so, dass das Anhaben von Schatten und Höhen ebenfalls das Bild aufhellen, mit der Erhöhung der Belichtung erhöht sich aber die Basis von der die anderen Regler (Shadows, Whites, …) ausgehen.

Zur Anpassung der Tonwerte ziehe ich bei gedrückter J-Taste den Regler für die Tiefen (Blacks = -13) soweit nach links bis erste kleine Bereiche Blau markiert werden. Genauso verfahre ich mit dem Regler für die Höhen (Whites = 50). Nun erfolgt noch die Anhebung des Kontrasts (Contrast = 10) und damit haben wir den folgenden Stand.

image

Die Überbelichtungswarnung der Höhen erfolgt übrigens durch Bereich die Rot markiert werden. Ausgehend von diesem Stand, bearbeite ich nun die Schatten und den Mico-Kontrast.

Schatten und Micro-Kontrast

Spätestens jetzt sind die Arbeitsschritte gekommen bei denen ich in die 100% Ansicht wechsle, was entweder mit STRG und + erfolgt oder durch einen Klick auf 100 in der Zoomleiste. Dadurch werden auch die ISO 1600 in Form eines leichten Rauschens sichtbar. In einem ersten Schritt erhöhe ich den Micro-Kontrast (Structure = 25) und helle dabei die Schatten (Schadows = 15) auf. Wichtig ist, zuerst den Micro-Kontrast und danach die Schatten zu bearbeiten, da sich beide Regler auf die dunklen Bereiche auswirken.

image

Selbst mit ISO 1600 sieht das Bild noch ganz gut aus, finde ich.

Zum Abschluss kommen nun noch die Einstellungen für Farbe, Dunst und Schärfe, bevor ein Export des Bildes erfolgen kann.

Farbe und Schärfe

Immer noch in der 100% Ansicht, drehe ich die Sättigung (Saturation = 25) nach oben, was die etwas flauen Farben an diesem Regentag intensiviert. Mit dem Regler Haze (Dunst) ist Vorsicht geboten, da eine zu starke Regelung Halos verursachen kann. Eine Reduktion auf (Haze = –5) kann hier aber nicht schaden. Wir hatten ja nicht unbedingt einen Sonnentag 😉

Zum Schluss kommt nun das Schärfen des Bildes an die Reihe. Dazu wähle ich unter Details den Preset Low aus (Sharpening / Amount = 50; Sharpening Threshold = 1; Noise Reduction / Luminance = 15 und Detail / Color = 5) und da ich noch gerne etwas gegen das Rauschen tun möchte, erhöhe ich Luminance von 15 auf 50 (Noise Reduction / Luminance = 50).

image

STRG+0 zoomt wieder in die originale Größe (unter Berücksichtigung des Zuschnitts) zurück und das Bild kann nun exportiert (entwickelt werden).

Fertig

Die Auswahl des Export-Dialogs kann nur vom Browse-Modul erfolgen, daher wechsle ich dorthin und wähle mit der rechten Maustaste Export….

_DSF7925_ON1_Cloud

(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mmF4.5-5.6 R LM OIS WR @400.0mm, 1/1000s, f/5.6 und ISO1600)

Berücksichtigt man die Parameter bei der Aufnahme, also die 400mm und Offenblende bei ISO 1600, so finde ich das Ergebnis sehr gut welches ich durch die Bearbeitung in ON1 Photo RAW 2018.1 erzielen konnte.

Varianten

Denkbar wäre eine zweite Version, in der eine geringe Vignettierung hinzugefügt wird. Dazu erstellen wir im Browse-Modul eine Version des Bildes mit Create Version. Diese Version beinhaltet alle Einstellungen, die wir bisher gemacht haben, quasi einen Schnappschuss unserer Arbeit und ermöglicht diesen weiter zu bearbeiten. Nach dem wir wieder in das Develop-Modul gewechselt sind, kann über Show More / Vignette / Subtile eine leichte Randabschattung hinzugefügt und individuell variiert werden.

_DSF7925_ON1_Cloud copy

(FUJIFILM, X-T2 mit FUJIFILM XF100-400mmF4.5-5.6 R LM OIS WR @400.0mm, 1/1000s, f/5.6 und ISO1600)

So, nun ist aber wirklich gut Smile

Vielen Dank fürs Vorbeischauen, b!

Eine Antwort zu “Fuji RAW Entwicklung mit ON1 Photo RAW 2018

  1. Pingback: Hirsche mit dem FUJINON XF100-400mmF4.5-5.6 R LM OIS WR | Der Albfotograf·

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