Die Rente ist sicher

Das ist die falsche Überschrift für diesen Blog, denn die sollte heißen:

Die RAWs sind sicher oder was wir dafür tun können

Viel gemeinsam haben RAW-Dateien und die Rente nicht, außer das man selbst Vorsorge für das Alter treffen muss.

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(FUJIFILM, X-T3 mit FUJIFILM XF18-55mmF2.8-4 R LM OIS @32.9mm, 1/60s, f/8.0 und ISO160)

Mit den RAW-Dateien ist das so eine Sache, die einen hassen sie und andere lieben sie. Ich gehöre zu letzteren, nutze ich doch ausschließlich RAW-Dateien als Grundlage meiner Bilder.

Gleich mal vorne weg

Nachdem sich Ansätze für ein gemeinsames Format wie OpenRAW oder Adobe DNG, nicht oder nur partiell durchgesetzt haben, kocht jeder Hersteller und genau genommen, jede Kamera ihr eigenes Süppchen. Kommt eine neue Kamera, folgt ihr auch ein eigens zu interpretierendes RAW-Format. Zwar unterscheiden sich die Änderungen zwischen einzelnen Modellen oft nur marginal und mit ein wenig EXIF-Magie lässt sich seinem Lieblingskonverter die Interpretation einer (noch) nicht supporteten Kamera abringen doch ist letztendlich immer eine Unterstützung innerhalb des RAW-Konverters notwendig um seine RAW-Dateien zum Leben zu erwecken.

Im Verlauf eines Workshops wurde mir die folgende Frage gestellt:

„Können wir davon ausgehen, dass unsere RAW-Dateien in 20 Jahren noch lesbar sind?“

Darauf eine Antwort zu finden ist schwer, da niemand also weder ich noch der Bundesarbeitsminister die Fähigkeit besitzen in die Zukunft zu blicken. Verglichen mit unseren Renten, und das war damals schon absehbar, unterliegt Software keinem demografischen Wandel. Vielmehr spielen eine Reihe von Faktoren eine Rolle denen sowohl die Hersteller unserer Kameras und natürlich auch die Hersteller der RAW-Konverter unterliegen. Ich habe damit keine Ahnung ob es Adobe, ON1 Software, PhaseOne, … und wie sie alle heißen in 20 Jahren noch gibt.

Die RAW-Formate sind eine Geschichte des Verlustes

Angetreten mit dem Ideal, alle Informationen, die der Sensor einer Kamera einfängt auf die Speicherkarte zu transportieren, müssen wir im Verlauf einer historischen Betrachtung mit einer Reihe von Abstrichen und Einschränkungen für das RAW-Format leben.

Aktuell

Heute haben wir eine Reihe von RAW-Konverter, die unsere RAW-Dateien lesen und damit interpretieren können. Wie optimal diese Interpretation verläuft, hängt vom Algorithmus im Konverter ab, der das Demosaicing durchführt. Grob kann man hier sagen, dass alle RAW-Dateien mit einem Bayer-Sensor als Grundlage von den meisten Konvertern sehr sauber verarbeitet werden können. Bei den X-Transen aus den Fujifilm-Kameras sieht das ein Stück weit anders aus, hier gibt es Unterschiede die in ihrer Größe und Ausmaß vom jeweiligen Fotografen für sich bewertet werden müssen. Ich halte mich hier raus, da ich zwei Fotografen ebenfalls mit Fujifilm-Kameras unterwegs kenne, die beim Thema RAW-Entwicklung völlig konträre Aussage treffen, wenn man sie darauf anspricht. Der eine bekommt mit Adobe Lightroom, hervorragende Ergebnisse aus sicherlich sehr gut fotografierten RAW-Dateien und der andere Fotograf schwört auf Exposure X5 und zaubert damit ebenfalls mehr als ansehnliche Ergebnisse.

Wenn ich einen Blick auf die von den RAW-Konvertern unterstützten Kameras werfe, dann mache ich mir hier eigentlich keine Sorgen. ON1 Photo RAW 2020.1 unterstützt auf seiner Webseite nicht nur aktuelle Kameras wie die Sigma fp oder die Leica SL2 sondern auch Kameras wie eine Epson R-D1.

Eine Kameraserie die vor über 10 Jahren vom Markt verschwunden ist. Exposure X5 bietet neben einigen Kameras aus dem ehemaligen Systemkamera Segment von Samsung (NX1) auch noch support für die D100 von Nikon und viele andere Kameras.

Sowohl Epson und Samsung bauen keine digitalen Kameras mehr, erfahren aber dennoch Unterstützung in aktueller Software. Da ich einige RAW-Konverter über die Jahre beobachte, möchte ich die Aussage treffen, dass wenn einmal eine Kamera in einem Konverter Unterstützung gefunden hat, diese Unterstützung auch bestehen bleibt (siehe Fujifilm X100 in DxO 7.7). Verschwindet also der Konverter nicht vom Markt, dann können wir mit dessen Nachfolger mit größter Wahrscheinlichkeit auch in 20 Jahren nochmals alten RAW-Dateien zu Leibe rücken.

Und morgen

Gut, man kann aber auch die Frage stellen:

„Was ist, wenn mein RAW-Konverter vom Markt verschwindet?“

Dann müssen wir begehrte RAW-Dateien mit einem neuen Konverter nochmals bearbeiten, insofern alte Ergebnisse, die wir hoffentlich als JPEG besitzen, nicht (mehr) gefallen. Für den Platzhirsch Adobe Lightroom, gibt es eine Vielzahl von Konvertern, die dessen Bibliothek importieren und damit auch Entwicklungseinstellungen mit übernehmen können. Luminar, Exposure und auch ON1 Photo RAW möchte ich hier, ohne Anspruch auf Vollständigkeit nennen.

Für alle anderen Konverter, insofern kein expliziter Prozess zur Konvertierung von Entwicklungseinstellungen vorhanden ist, muss die RAW-Datei erneut entwickelt werden.

Aufheben vielleicht

Neben der Jagd, ist dem Menschen schon immer das Sammeln ein Anliegen gewesen. Ich will damit sagen, man könnte doch einfach die letzte Version seines Konverters aufhaben. Genau, das geht schon, wenn nicht einer der folgenden Kriterien eintrifft.

  1. Man hat sein Fotografenleben lang auf einen Konverter aus der Cloud vertraut
  2. Es wird kein wie auch immer gearteter Aktivierungsserver benötigt
  3. Die Kompatibilität mit dem bis dato verwendeten Betriebssystem ist gegeben
  4. Der emeritierte RAW-Konverter, hatte keine Anforderungen, die auf die eine oder andere Weise nicht mehr oder zumindest so einfach zu realisieren sind

Zu 4 ein Beispiel gefällig? Das ich gleich mit einer Aussage aus einer meiner vielen Diskussionen zu dem Thema eröffnen möchte.

„Ich installiere mir dann ein altes Windows oder Linux in eine virtuelle Maschine und lasse dort den RAW-Konverter laufen!“

Ja klar, sollte auf den ersten Blick gehen muss es aber zwingend nicht, denn

  1. Virtuelle Maschinen mit OpenGL 3.3 Support wie es ON1 Photo RAW zwingend braucht sind teuer und möglicher Weise nicht zu einfach zu bekommen
  2. Das Oldtimer-Betriebssystem möchte in der Virtuellen Maschine nicht so laufen wie gewohnt, bzw. weigert sich aktuell durchgereichte Grafikhardware zu unterstützen

Alles irgendwie nebulös

Was tun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen und bekotzen den Olymp (sorry, aber der musste sein). Einen guten Rat für Zeus habe ich auch nicht aber eine Strategie, mit der ich hoffe, die Sache für mich in den Griff zu bekommen.

  1. Ich hänge meiner empirischen Erfahrung nach, dass wenn eine Kamera einmal unterstützt wird das sich auch nicht ändern wird
  2. Damit bleibt das Problem, wenn der Hersteller verschwindet und damit einfach ein Wechsel notwendig wird. Mit einem Alternativen RAW-Konverter und damit verbunden, der partiellen Entwicklung von alten RAW-Dateien
  3. Wenn mir das nicht gefällt, bleibt noch die Flucht in das ungeliebte DNG-Format unter der Bedingung das es zukünftig Konverter gibt, die dieses Format ohne strikte Prüfung unterstützen wollen. Als potentielle Fluchthelfer stehen dann der Adobe DNG-Konverter und der Irident X-Transformer zur Seite. Die aber ebenfalls auf existenten Support hin beobachtet werden wollen

Sollte mir im Laufe der nächsten Jahre ein Konverter begegnen, in dem der Support für Kameras reduziert wird, lasse ich es Euch wissen.

Bis dahin sag ich „Die RAWs sind sicher“.

Gut Licht und bleibt mir gewogen, Euer BundesRawMinister

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